Was heute nahezu keine alte Stadt mehr zu bieten hat, ist in Lübeck reichhaltig zu finden. Seit Ende des 18. Jahrhunderts haben sich heute noch 90 Gänge gehalten.
Das Hauptmerkmal ist die Enge. Seine Gangbuden waren so winzig, daß eine Familie oft nur 16 qm zum Wohnen hatte.
Sie waren die Wohn- und Lebenswelt der Tagelöhner, Träger, Fässerroller und Hilfsarbeiter. Die Wohngänge bildeten einen unverzichtbaren Bestandteil des sozialen Milieus.
Durch den wirtschaftlichen Erfolg und Aufstieg Lübecks hatte man einen großen Arbeitskräftebedarf am Hafen, Schiffbau und den Großbaustellen.
Da die vorhandenen Grundstücke streng parzelliert längst vergeben waren, brach man Durchgänge von oft nur einer Sargbreite in das Vorderhaus und erschloß den Hof meist mit links- und rechtsseitigen Ganghäusern.
Das Absteigen in die Tiefe der Gänge war damals sozialer Abstieg. Das hat sich heute seit 1970 ff. Jahre ins Gegenteil gewandelt.
Die Ruhe und Abgeschiedenheit inmitten der lärmenden Großstadt lässt die Gänge den modernen Stadtmenschen wertvoller erscheinen. Heute als Orte ungewöhnlichen Wohnens haben sie das Image des Schönen, Romantischen und Idyllischen erworben, gesuchte Wohngegenden für Akademiker, Kunsthandwerker u.ä.
Zu den bekannten Gängen gehören: Hellgrüner Gang (Engelswisch), Torweg (Engelswisch), Sievers Torweg (Engelsgrube), Bäckergang (Engelsgrube), Stüwes Gang (Obertrave), Grützmacherhof (Effengrube), Rosenhof (Obertrave) und Blohms Gang.
Sie stammen aus den Jahren 1460 bis ins 18. Jahrhundert.